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Friday, 16. October 2009 |
 Das war am Samstag nicht ganz der Tag, wie ich erhofft hatte einen zu erwischen. Beim Schwimmen fühlte ich mich noch ganz in Ordnung. Wie es im Profifeld halt Usus ist, wird nach dem Startschuss unglaublich hart angeschwommen und ab der Hälfte stark nachgelassen. Und wenn man einmal in einer Gruppe drin ist, bleibt man dort (ausser man schwimmt allen davon… ). So schwamm ich beim Start mit und nach gut 400 Metern wurde das Tempo auch schon angenehmer. Bis zum Wendepunkt war das Tempo der Gruppe auch noch voll in Ordnung. Nach einem Nahkampf mit anschliessendem Zwischensprint bei der zweiten Wendeboje wurde aus Schwimmen immer mehr Baden. Kann sein, dass die Strömung auf dem Weg zurück stärker war und vorne mehr gearbeitet werden musste, auf alle Fälle war die für mich sonst eher zähe zweite Hälfte recht easy und erholsam, dafür die Schwimmzeit auch nicht sonderlich schnell. Guten Mutes fasste ich mein Bike in der Wechselzone und machte mich auf die Aufholjagd.
 Schon sehr bald musste ich feststellen, dass es an diesem Tag für mich keinen schnellen Bikesplit geben würde. Meine Beine fühlten sich nur leer an, und schon die ersten Kilometer kamen mir ungewöhnlich lang vor. Ein Blick auf mein Powermeter bestätigte mein Gefühl. Konnte ich sonst locker zwischen 280 und 300 Watt fahren, kamen mir an diesem Tag schon 250 Watt unglaublich streng vor. Ich war in erster Line einfach nur enttäuscht. So sehr mag ich diese Velostrecke, die auf mich zugeschnitten ist wie sonst kaum ein Bikekurs. So sehr hatte ich mich darauf gefreut. Nun musste ich mich möglichst schnell mit der Situation abfinden und mich mit Plan B anfreunden: irgendwie die 180 Kilometer so anständig wie an diesem Tag möglich hinter mich bringen und auf den Marathon hoffen. Mit der langsamsten Velozeit aus vier Hawaiistarts kam ich schon ziemlich angeschlagen zurück in die Wechselzone nach Kona. Nun hatte ich auf alles andere Lust, als bei 40°C einen Marathon zu laufen, und dies erst noch mit leeren Beinen. Die ersten Kilometer waren trotz viel Publikum und grandioser Kulisse nicht ganz einfach. Irgendwo am Ali’i Drive kam ich langsam in einen akzeptablen Rhythmus, aber auch zu Fuss waren die Beine nicht viel besser als zuvor auf dem Velo. Nun war Körnchenzählen angesagt und ich musste ein Tempo anschlagen, das ich möglichst lange durchlaufen konnte. Bei den Profis hatte mittlerweile das kollektive Leiden begonnen. Den einen oder anderen konnte ich trotz meinem bescheinen Laufspeed noch einholen und auch meinen beiden Trainingskollegen lief es nicht wie gewünscht. Stefan musste aufgeben und Ronnie erkämpfte sich mit schlechten Beinen noch einen Top 20 Rang. Auch andere Pros gaben reihenweise auf, nach jedem Wendepunkt fehlten wieder ein paar mehr die entgegenliefen. Mit einem 3:12 Marathon beendete ich das Rennen in 9 Stunden und 16 Minuten auf Rang 58.  Mehr war an diesem Tag einfach nicht drin. Ob es nur an der Verdauungsstörung und dem hartnäckigen Durchfall in der Vorwoche, oder an sonst was gelegen ist, ist im Nachhinein immer schwer zu sagen. Aber das ist eben so im Triathlon und ganz speziell im Ironman. Es ist ein ganz schmaler Grat auf dem man sich bewegt, wo alles stimmen muss. Ein grosses Mosaik, bei dem jeder Stein passen muss. Kleine oder unscheinbare Probleme können sich am Raceday bis zum Supergau potenzieren. So gesehen bin ich mit dem Resultat noch ganz zufrieden. Es hätte ja noch weitaus schlimmer kommen können. Mit zunehmendem Erfolg wachsen eben auch die Ansprüche und vieles wird selbstverständlich. Doch die nötige Portion Demut vor dem Rennen darf nie fehlen, wie auch das stetige Bewusstsein, das nicht jeder Tag optimal sein kann. Im Nachhinein nützt alles hätte, wäre und könnte nichts mehr. Nicht zufrieden zu sein wäre auch Jammern auf hohem Niveau. An einem schlechten Tag immer noch unter den besten 60 Triathleten – aus dieser Perspektive ist das noch ganz akzeptabel. Jetzt ist erst einmal Erholung und Beine hochlagern angesagt. Vielen Dank für die zahlreiche Unterstützung aus der Schweiz! Bis bald Serge |